Mit der unvermeidlichen Rathaussanierung kommen - neben dem bereits angestoßenen Neubau des Baubetriebshofes - in wenigen Jahren enorme Kosten auf die Stadt Ahlen zu. „Um über eine Finanzierungsmöglichkeit zu sprechen, muss man zunächst einmal wissen, wohin genau die Reise gehen soll“, sagt CDU- Fraktionschef Ralf Kiowsky im Nachgang zur Haushalts-Klausurtagung (wir berichteten) auf Anfrage der „AZ“.
In Sachen Rathaus stehen bekanntlich die Sanierung des Vorhandenen oder ein Neubau zur Disposition. „Auch wenn man diese Frage bereits für sich entschieden hat, muss man noch tiefer einsteigen“, ist Kiowsky überzeugt. Es gebe viele Fragen: Will man nur die Fassade erneuern, um das Gebäude zunächst abzudichten oder will man eine Entkernung? Kann die Fassade mit ihren vielen Ecken, Kanten und Erkern so beibehalten werden? Ob das Raumkonzept Bestand hat, ist ebenso fraglich, wenn beispielsweise die Mitarbeiter des Baudezernats mit an der Westenmauer einquartiert werden sollen.
Käme ein Neubau, so der Fraktionschef, wäre zu beachten: Wird dieses ein reiner Zweckbau - ohne Ratssaal? Wo entsteht dieser - auf dem Baugrund des bisherigen Rathauses oder an anderer Stelle? Wenn abgerissen wird, wo bleiben die Mitarbeiter während der Bauzeit? Was passiert mit der jetzt baulich eingebundenen Stadthalle - kann diese allein stehenbleiben? Das Wichtigste: „Wer zahlt diesen Neubau? Die Stadt oder ein Investor, von dem die Stadt dann anmietet?“
Bei den Kostenschätzungen regt Ralf Kiowsky an, auch ein bestehendes Gebäude ins Auge zu fassen. „Wie ist die Entwicklung bei der Bundesagentur für Arbeit an der Bismarckstraße, wie sieht es im Bereich der Zeche aus? Brauchen wir im Zeitalter der Informationstechnik ein Gebäude an zentraler Stelle oder reicht es, einen Bürgerservice in der Innenstadt zu installieren?“ Die Anmietung von Büroflächen sei sicherlich kostenmäßig interessant.
Viele Fragen also, die laut Ralf Kiowsky behutsam angegangen werden müssen. „Wichtig dabei ist die Begleitung von Fachleuten - von Anfang an“, sagt er. „Es gibt für alle Varianten Pro- und Contra-Argumente, die miteinander verglichen und abgewogen werden müssen. Denkverbote kann und darf es in dieser Phase der Entscheidungsfindung meiner Meinung nach nicht geben.“ Richtig sei aber auch, dass sich die Politik erst mit einer Entscheidungsfindung befassen kann, wenn sie ein gesundes Basiswissen von Fachleuten bekommt. Dieses muss in nächster Zeit erfolgen. „Wir werden in den nächsten Jahren - egal, für welche Variante wir uns entscheiden - Geld in die Hand nehmen müssen, so oder so.“ Das Rathaus mit seinem Standard der 70er Jahre sei „energetisch eine Katastrophe“, die undichten Dächer und Fassaden bereiten seit Jahren Anlass zur Sorge.



